Nach Auflösung der Kalmarer Union war Schwedens Geschichte von der Begründung und dem Aufstieg der Vasa-Dynastie geprägt. Dominierten zunächst die inneren Probleme die Politik, zeichnet sich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ein Wandel ab – der Beginn der schwedischen Expansionspolitik im Ostseeraum.
War es für die Stabilisierung des schwedischen Königreichs nach dem Ausscheiden aus der Kalmarer Union äußeren Frieden zu schaffen, zeichnete sich unter Gustav Vasas Nachfolgern schon bald ein Wandel in der Außenpolitik ab. Wobei die Bruderkämpfe um Gustav Vasas Erbe nicht ohne Folgen auf die außenpolitischen Konstellationen blieben.
Anfänge der Expansionspolitik im Livländischen Krieg
Den Anfang machte Gustavs I. ältester Sohn und Thronfolger Erik XIV. mit dem Eingreifen in den Livländischen Krieg (1558-1583). Es ging nach dem Zerfall des Deutschen Ordensstaates um die Vorherrschaft im Ostseeraum. Die Beteiligten: Russland, Dänemark, Polen-Litauen und Schweden. Eine außenpolitische Konstellation, die sich so bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts fortsetzen sollte.
Der Kriegseintritt brachte Schweden 1561 die Oberherrschaft über Reval (das estnische Tallinn) und Teile des nördlichen Livlands.
Kurz darauf sah sich Erik im „Nordischen Siebenjährigen Krieg“ (1563-1570), auch als Dreikronenkrieg bekannt, gezwungen. Schweden musste sich der Versuche Dänemarks erwehren, das Kalmarer Unionsreich wiederherzustellen.
Dänemark verzichtet auf Herrschaftsansprüche gegenüber Schweden
Unter dem neuen König Johan III. schloss Schweden mit Dänemark nach Vermittlungen 1570 den Frieden von Stettin. In dessen Folge Dänemark zwar seine Herrschaftsansprüche gegenüber Schweden aufgab, aber gleichzeitig das schwedische Königreich Gebietsansprüche (vorerst) aufgeben bzw. enorme Geldsummen aufbringen musste, um von Dänemark besetztes Territorium auszulösen.
25-jähriger Krieg mit dem russischen Zarenreich
Mit der Thronbesteigung Johans III. änderte sich das Verhältnis zu Russland. Hielt das Zarenreich unter Ivan IV. dank Zugeständnissen im Baltikum Eriks still, wurde es durch die Thronbesteigung des durch Heirat mit Polen verbündeten Johans zum direkten Gegner.
Kaum dass der Frieden mit Dänemark besiegelt war, brach 1570 der Krieg mit Moskau um karelische, novgorodische und livländische Gebiete aus. Erst 1595 fand dieses Blutvergießen im Frieden von Teusina ein Ende. Schweden errang die Herrschaft über Narva und das gesamte Küstengebiet des Finnischen Meerbusens.
Fast wäre ein Schwede Zar geworden
Weitere Eroberungen an der Ostsee gelangen Schweden während der „Zeit der Wirren“ (1598-1613). Sogar ein schwedisch-russisches Großreich war im instabilen russischen Reich im Bereich des Möglichen. Fast hätte Karls IX. Sohn Karl Filip, Herzog von Värmland, den Zarenthron bestiegen. Verhindert wurde dies dann doch mit der Durchsetzung der Romanov-Dynastie 1613 und dem Frieden von Stolbovo im Jahr 1617.
Zudem nutzte Dänemark Schwedens Engagement in Russland, eine zweite Front zu eröffnen. Der „Kalmarer Krieg“ (1611-1613) endete mit einer Schmach für Schweden. Im Frieden von Knäred wurde Schweden zu gewaltigen Kriegsreparationen verpflichtet und musste Beschränkungen im Ostsee- und Eismeerhandel hinnehmen.
Doch dieser Rückschlag änderte nichts an der weiteren Entwicklung Schwedens von einer auf Innenpolitik und dynastischen Problemen fokussierten Monarchie zu einer außenpolitisch-expansiven Ostseemacht. Im Gegenteil. Im 17. Jahrhundert sollte sich diese Expansionspolitik verstärken und Schweden zu einer europäischen Großmacht aufsteigen.
Autor(in): Mathias Grohmann – [email protected]
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